Dienstag, 9. Februar 2010

Nach langer Pause diesmal eine kurzer Bericht ( längerer folgt demnächst - versprochen!) mit einem Link:

http://videos.tf1.fr/sept-a-huit/les-nouvelles-gueules-cassees-5676705.html

Vor einigen Wochen war eine französisches Filmteam (TV1, einer der französischen Hauptsender) hier. Der Film lief nun vor 2 Tagen im Fernsehen und ist für ein-zwei Wochen als Link im Internet. Er ist auf französisch und ich persönlich finde nicht alles gut, aber er ist sehr informativ und gibt einen guten Überblick über unsere Arbeit hier (ich denke auch wenn man kein französisch spricht).
Abgesehen davon sind zwei Mitglieder meines Teams zu sehen ( :-) ), eine Animateurin und der Psychologe.
Filmdauer ist 20 min.

Ansonsten macht die Arbeit (auch wenn viel zu tun ist - ich kam bisher nicht dazu eine längeren Bericht zu schreiben) nach wie vor Freude. Das Team ist hervorragend und wir können - im Gegensatz zu meinem vorherigen Projekt - auch viel miteinander unternehmen. Sightseeing, Kino (auch den neuen 3D-Film), Essen gehen oder gemeinsam kochen - ist ein guter Ausgleich zu dem täglichen Leid was man so sieht und mitbekommt.

Inzwischen hab ich auch (die ersten zwei Monate war ich beschäftigt die Abteilung zu reorganisieren) begonnen selbst mit Patienten zu arbeiten.

Aber mehr dazu demnächst - Inshallah

Freitag, 18. Dezember 2009

Angekommen

Nun sind die ersten zwei Wochen vorbei.
Inzwischen habe ich das Zimmer bezogen in dem ich die nächsten 6 Monate wohnen werde. Die erste Woche habe ich im Gästehaus von MSF verbracht da das "Fieldhouse", so genannt weil die Expats (internationale Mitarbeiter) vom "Field" hier wohnen, voll war.
Wir wohnen hier zu dritt: eine australische Pharmazeutin, eine tamilische Infection Control Nurse (auf Deutsch glaube ich Fachkraft für Hygiene oder Infektionskontrolle) und ich.

Draussen ists kalt, sehr nass und stürmisch. Durch den Wind hört man das Freitagsgebet von den Minaretten der Moscheen, mal lauter und mal leiser je nachdem wie stark der Wind grad weht. Auch hier ist die Moderne eingezogen - es steht kein Sheikh (hier werden die Imame Sheick genannt) auf dem Minarett sondern ein Lautsprechen und das Gebet wird zentral gesteuert. Durch die Hügel - Amman liegt auf bzw zwischen 19 Hügeln - und die Verzögerung mit der der Klang von den vielen Minarette hier eintrifft hallt das sehr. So liegt dann fünfmal am Tag ein Gebets-Klang-Teppich über der Stadt der heute noch gelegentlich vom Heulen des Windes unterbrochen wird.
Man gewöhnt sich an die Gebetsrufe - ich nehme sie meistens als Gelegenheit um kurz in der Arbeit innezuhalten und durchzuatmen - in Deutschland haben sie mir sogar gefehlt, sie geben dem Tag auch eien Struktur und man (ich zumindest) hechelt nicht so von morgends bis abends der Arbeit hinterher.

Gestern Abend haben wir unsere bisherige "medical director" (sozusagen die Chefärztin der Klinik) verabschiedet, eine Flämin. Ihr Nachfolger kommt aus Wien was die Kommunikation für mich sehr vereinfachen wird. Ansonsten sind im Team noch mehrere Franzosen, eine Abrasierin, ein Armenier, eine Russin, eine Deutsche (mal abgesehen von mir), Iraker, Jordanier und (in Jordanien lebende) Palästinenser. Ach ja - unsere Köchin kommt aus Sri Lanka.
Ein - was die Nationalitäten betrifft - sehr bunt gemischtes Team also, wodurch ich nicht nur die jordanische Kultur kennenlernen kann sondern noch viele andere. Die Kommunikation ist dadurch nicht immer einfach. Natürlich sprechen alle Englisch, aber es hat doch jede Kultur ihre Eigenarten und so kann es schon sein daß manches sehr unterschiedlich gewertet und interpretiert wird.
Wir Deutschen sind übrigens als sehr gut organisiert und als wahre Arbeitstiere bekannt -und gefürchtet - nun, man wird sehen.

Mittwoch, 9. Dezember 2009

Welcome in Jordan

die Hauptstadt Jordaniens wird nun meine Heimat für die nächsten sechs Monate sein.
Ärzte ohne Grenzen (die Pariser Sektion) hat hier ein großes Projekt zur Rehabilitation von Kriegsverletzten aus dem Irak aufgebaut. Ca 250 Patienten werden hier pro Jahr in einer Klinik aufgenommen, operiert (Plastische, orthopädische und Handchirurgie) und in einem Hotel solange nachbetreut (medizinisch, physio- und psychotherapeutisch) bis sie unter den derzeitigen medizinischen Bedingungen im Irak weiterbetreut werden können. Als Nebeninfo: von dem vormals 30 000 Ärzten die im Irak tätig waren haben ca 20 000 das Land verlassen da Kliniken und Ärzte gezielt attackiert wurden.

Einen kleinen Eindruck von dem Projekt kann man hier erhalten:

http://www.timesonline.co.uk/tol/news/world/iraq/article6921975.ece und
http://www.timesonline.co.uk/tol/news/world/iraq/article6921944.ece
http://www.timesonline.co.uk/tol/news/world/iraq/article6921990.ece und
http://www.timesonline.co.uk/tol/system/topicRoot/Sunday_Times_Children_of_Iraq_A/

Nachdem diese Menschen Schlimmes erfahren haben und auch oft sehr lange von zu Hause fernbleiben müssen (die durchschnittliche Aufenthaltsdauer liegt bei 140 Tagen, manche Patienten sind länger als ein Jahr hier, in einem fremden Land und ohne ihre Familie) werden sie auch psycho-sozial betreut, und das zu organisieren ist meine Arbeit.
Mein Team besteht aus 2 jordanischen Psychologen, 2 "Animateuren" und mir als Supervisor.
Nachdem sich in der letzten Zeit einiges in der Aufgabenverteilung und der Zusammensetzung des Teams geändert hat wird es mein Job die nächsten 6 Monate sein das Team zu reorganisieren sowie die Psychologen und die Animateure aus- bzw weiterzubilden.
Was Animateure sind? Sie sollen, im großen und ganzen dafür sorgen daß die Patienten während ihrem langen Aufenthalt Beschäftigung haben, organisieren also "Indoor" und "Outdoor"-Aktivitäten wie eine kleine Bibliothek, Spiele und Spielrunden bzw -wettstreite, Museumsbesuche etc. und machen einfache Gruppen die die Akzeptanz und den Umgang mit der Verletzung (viele unserer Patienten haben schwere Gesichtsverletzungen) bessern sollen. So gibt es eine "Make Up Gruppe" und eine "Hygienegruppe"

Amman und Jordanien selbst sind ja sicher, man kann hier gut seinen Urlaub verbringen. Wir können uns im Land frei bewegen, natürlich auch mal an den Wochenenden Sightseeing machen.

Im Moment allerdings bin ich ziemlich beschäftigt damit das Projekt erst mal kennenzulernen, da es recht komplex ist.
Außerdem ist das Wetter im Moment recht naß und kalt, aktuell sind es 10°C. Aber es soll besser werden...

Dienstag, 15. September 2009

Home sweet Home

Der letzte Abend ist fast vorbei, morgen früh geh es über Jerusalem nach Tel Aviv und morgen Abend um dieselbe Zeit werde ich dann schon in Paris sein. Mittwoch in der früh dann die letzte Etappe Paris-Deutschland, so daß ich dann, ich kanns noch gar nicht richtig glauben, Mittwoch Mittags spätestens daheim sein werde.

Die vergangenen zwei Wochen waren ein gemächlicher Abschied von meinen Patienten und von meinem Team. Samstag gabs noch ein Ausflug so ganz nach meinem Geschmack: in die Wüste Judäa ins Wadi Kelt, dort besuchten wir ein griechisch-orthodoxes Kloster das um eine Höhle herumgebaut wurde in der der Prophet Elia und später Joachim, der Vater Marias sich längere Zeit aufgehalten haben sollen und sind dann von dort (bei 42°C) aus ca 90min nach Jericho gelaufen wo uns unser Fahrer schon im Auto mit Klimaanlage und Wasser gewartet hat (ein bißchen Luxus muß ja schließlich auch mal sein).
Heute abend gabs dann noch eine kleine Abschiedsparty (nach Einbruch der Dunkelheit natürlich wegen Ramadan). Ja und jetzt sind die Koffer gepackt und ich setze ein letztes Mal auf der Terrasse und gucke über das nächtliche Nablus.


Gut 5 Monate war ich jetzt hier und viel hat sich in der Zeit geändert, für die Stadt, die Menschen die hier leben und natürlich auch für mich. Dadurch das die Checkpoints nicht mehr so streng sind ist das Leben hier freier geworden und die Stadt wirkt viel lebendiger. Für die Menschen in den Dörfern ists derzeit etwas schwieriger weil die Gewalt durch fanatische bewaffnete Siedler zunimmt.

Viele wird mir fehlen, einiges sicher auch nicht, aber darüber ein andermal mehr.

Montag, 24. August 2009

Ramadan

hat begonnen.
Nachts gegen 03H30 geht ein Trommler in der Stadt herum der die Leute aufweckt um sich für die erste Mahlzeit und das erste Gebet (Zuhur) vorzubereiten. Nach dem Morgengebet wird dann gefastet - das heißt Verzicht auf Essen, Trinken, Rauchen und Sex. Viele gehen nach dem Morgengebet nochmal schlafen bis ca 8H00 und machen dann gegen 1H00 nochmal ein "Mittagsschläfchen" um den Hunger zu verschlafen bis 6H30. Das Fastenbrechen am Abend ist ein gesellschaftliches Ereignis, man lädt Freunde und Verwandte ein, manche feiern es auch in der Moschee (manche Moscheen geben täglich bzw abendlich Essen aus).
Wir arbeiten pro Tag 1,5 Stunden weniger (selbstverständlich für das einheimische Team bei vollem Gehalt). Wie ich gehört habe sind die ersten 2 Wochen die schlimmsten und unser Team hat uns bereits vorgewarnt das die Menschen hier im Verlauf des Tages hungerbedingt zunehmend mürrischer werden und es gegen Ende des Tages auch gerne mal zu Schlägereien kommt.
Das Schwierige dieses (und auch die kommenden Jahre ist, daß Ramadan im Sommer stattfinden (Ramadan ist jedes Jahr ca 10 Tage früher - der Beginn wird nach dem Mond bestimmt) und Fasten bedeutet auch nichts trinken zu dürfen. Und bei mindestens 30° Außentemperaturen nichts trinken zu dürfen - daß macht den Leuten hier schon auch Angst.
Gefastet wird ca ab dem 8. / 9. Lebensjahr - also 2./3. Klasse. Der Schulanfang, der eigentlich diese Woche sein sollte, wurde bereits auf den 1. September verschoben und es gehen Gerüchte um daß (auch wegen der Schweinegrippe) die Schule erst nach Eid Fidr (dem Ende Ramadans) anfängt.